Berliner Zeitung
11.12.2003
Powerfrauen
Abergläubige Menschen reden von der "bösen Sieben"
und meiden diese Zahl. Für andere ist es eine gute Zahl, wie
etwa für die Galeristinnen Anette Leo und Helle Coppi, die für
diesen Kunst-Winter sieben namhafte Künstlerinnen zu-sammengebracht
haben. Sie zeigen sieben "Weibs-Bilder" - virtuose Mal-
und Bildhauerkunst, aufmüpfig und sensibel, kraftvoll und fragil,
trotzig und sanftmütig, exotisch und bo-denständig. Angela
Hampel, Anja Sei, Herta Günter, Sylvia Hagen, Cornelia Schleime
und Ellen Fuhr sowie die 20er-Jah-re-Malerin Jeanne Mammen beweisen
der Kunstwelt, was Powerfrauen sind. Allen voran setzt die Dresdner
Sezessionistin Angela Hampel mit Motiven wie "Frau mit Jaguar"
(Abb.) auf die beschwörende Wirkung der Farben.
Weibsbilder Galerie Leo.Coppi, Hackesche
Höfe, Rosenthaler Str. 40, bis 24. 1. Di-Fr 13-18.30/ Sa 12-18
Uhr, Tel.: 283 53 31.
Die Welt
am 26. Sep 2003

Kunst als ernstes Spiel: Heinrich Tessmer
in der Galerie Leo.Coppi
von Ulrich von Döltzschen
"Das Spiel" heißt die
Ausstellung der Galerie Leo.Coppi, die neue Arbeiten von Heinrich
Tessmer vorstellt. Womit spielt ein Mann? Da wären zuerst Pferde.
Die Tiere tummeln sich auf vielen Bildern, als Pegasus, als Stars
aus Zirkus oder Märchenbuch, als Hauch von spanischer Grandiosidad.
Und dann noch das Spiel der Könige: Schach. Es kommt ein bisschen
hinterhältig als Zitat des Brettes daher und geistert in Gestalt
des Mosaiks durch viele Bilder. Nicht zu vergessen das Spiel mit der
eigenen Biografie, Entwicklung, Positionierung. Und da gibt es noch
das Spiel mit Märchen und Legenden, wie es die Blätter aus
dem Seidenstraßen-Zyklus zeigen. Die verraten auch Tessmers
Lust am Spiel mit sich verzweigenden Gedanken. Jedes für sich
ist ein bisschen, alles zusammen aber immer noch nicht der ganze Tessmer.
Grafik 160 Euro, Aquarelle um 1900 Euro und Bilder 2800 bis 7000 Euro.
Rosenthaler Straße 40/41, Mitte; bis 1. November; Di-Fr 13-18.30,
Sa 12-18 Uhr.
Die Welt
am 26. Jul. 2003

DDR-Kunst ist kein Markenartikel
Zusammengestellt von Gerhard Charles Rump
Aber viele Künstler aus Ostdeutschland sind auf dem Markt erfolgreich
Seit Freitag versucht die Neue Nationalgalerie,
Berlin, das lange umstrittene Thema "Kunst in der DDR" in
einer umfassenden Retrospektive darzustellen. Anlass für eine
Umfrage unter Galeristen.
Hannelore Hintersdorf, Galerie Hintersdorf im
Kunsthof, Berlin "Von diesen Künstlern wird nach wie vor
großartige Kunst gemacht. Man kann ja jetzt die Diskussion ruhiger
und gelassener angehen und wird sicher zu einer differenzierten Betrachtung
finden." Michael Schultz, Galerie Michael Schultz, Berlin "Der
Bonus für Ost-Kunst ist Gott sei Dank vorbei. Qualität hat
sich durchgesetzt - etwa Cornelia Schleime, Helge Leiberg, A. R. Penck.
Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR hat sich ja auch eine neue Künstlergeneration
entwickelt, deren Arbeit genau so spannend ist wie die der ,Westkünstler".
Schade ist, dass die Ausstellung erst jetzt kommt. Jetzt gerät
das in eine kunsthistorische Aufbereitungsmaschinerie. Die Schärfe
der Auseinandersetzung zwischen den ,Staatskünstlern" und
den anderen ist nicht mehr da." Dieter Brusberg, Galerie Brusberg,
Berlin "Den ,Markenartikel" DDR-Kunst gibt es nicht mehr.
Ich vertrete noch drei ,Alte Meister" aus der DDR, Bernhard Heisig,
Gerhard Altenbourg und Harald Metzkes, dazu noch Heinrich Tessmer
und Berndt Wilde. Aber alle laufen nicht mehr unter "DDR".
Auf der ,Art Basel" im Juni dieses Jahres spielten sie gleichberechtigt
im Konzert der internatinalen Größen mit. Kluge Sammler
wissen, dass sie hier ein ausgezeichnetes Verhältnis von Qualität
und Preis bekommen." Gerd-Harry Lybke, Galerie Eigen+Art, Leipzig/Berlin
"Mit DDR-Kunst kenne ich mich nicht aus. Zu der Zeit war ich
Schauspieler und Aktmodell. Ich kenne die DDR meist nur nackt. Ich
habe damals im Untergrund eine verbotene Galerietätigkeit ausgeübt
und die Nicht-Staatskünstler, nicht die vom Reisekader, ausgestellt;
also die, die nicht ausstellen durften. Von den ,anderen" haben
wir nur die Abenddämmerung mitbekommen - deren Verfallsdatum
lag früher als unseres. Statt DDR-Kunst hätte ich lieber
die DDR-Briefmarken gezeigt. Das ist für Philatelisten eine tolle
Sache: Es ist ein abgeschlossenenes Gebiet mit vielen ganz verrückten
Sachen." Sabine Kahra, Galerie Sophien-Edition, Berlin "An
der Fülle und Qualität der Künstler, die die meiste
Zeit ihres Lebens in der DDR verbracht und dort ihre künstlerische
Ausbildung absolviert haben, ist seit den letzten fast 14 Jahren nicht
mehr vorbeizusehen. Sie sind Konkurrenten der etablierten Westkunstszene
geworden." Doris Leo, Galerie Leo.Coppi, Berlin "Die Rolle,
die ein Künstler auf dem Kunstmarkt spielt, sollte eigentlich
in erster Linie von der Qualität seiner Kunst abhängen und
nicht von seiner Herkunft. Aber natürlich bedeutet eine jahrzehntelange
fast völlige Abstinenz vom Kunstmarkt noch immer einen immensen
Nachholbedarf. Seit zwölf Jahren vertreten wir Harald Metzkes,
Werner Stötzer, Angela Hampel, Arno Mohr, Heinrich Tessmer -
um nur einige Namen zu nennen. Das Interesse an Arbeiten von diesen
Künstlern hat sich in dieser Zeit von vorsichtiger Neugier bei
einem wachsenden Kreis in konsequentes Verfolgen und Sammeln gewandelt."
Berliner Zeitung 29.04.2003
Ingeborg Ruthe
Das immer währende Spiel
Der Maler Harald Metzkes und der Bildhauer Robert Metzkes in der Berliner
Galerie Leo. Coppi
Das "Große Spiel" beginnt. Aufgeführt wird es
auf doppeltem Bühnenboden, wie immer bei Harald Metzkes; seine
Bilder brauchen diese Ambivalenz. Das Nichteindeutige, das andeutungsreiche
Hin und Her zwischen den Polen Spaß und Ernst ist der Quell,
aus dem sich seine Malerei speist.
Metzkes malte für die Frühlingsausstellung
der Galerie Leo. Coppi eine Landschaft mit Pinien und toskanischen
Hügeln. Auf einem Hügelplateau bauen in Theaterkostüme
gekleidete Gestalten eine Stadt aus Kartenhäusern. Pierrot, Arlecchino,
Columbine, Pulcinell und Mezzetin wuseln mit Fertigteilen. Schon steht
ein Teil der fragilen Bauten, aber bedenklich schief ragen die spitzen
Türmchen, das oberste ist gezeichnet mit dem Karo Ass. Abermals
hat Harald Metzkes - zu DDR-Zeit einer der wichtigen Vertreter der
"Berliner Schule", die sich dem Sozialistischen Realismus
entzog - seine Bildgeschichte in der Commedia dell Arte angesiedelt.
Der Rückgriff aufs italienische Stegreifpossenspiel des 16. bis
18. Jahrhunderts ermöglicht den gleichnishaften Umgang mit Charaktermasken;
schon Watteau, Picasso, Beckmann haben das getan.
Seit Jahren agieren die Harlekine und
Gaukler in Metzkes zerbrechlich scheinendem, aber standhaftem Welttheater.
Sein Bildpersonal führt die menschliche Komödie auf - ein
Reigen der Illusionen, hinter dem die Wahrheit über Glück
und Unglück, Leben und Tod, Liebe und Hass, Zweisamkeit und Einsamkeit
aufscheint, eine Wahrheit, die Lachen auslöst und zugleich wehtut.
Aber es scheint auch Schönheit auf. Gleich neben den Bildern
des 74-Jährigen steigt eine tönerne Frau im Harlekinskostüm
dem in einer Spielkartenhütte hockenden Pulcinell aufs Dach,
reißt ihm die Mütze herunter. Die Übermütige
kniet auf der Karte mit dem Karo Ass, die Stützen des wackligen
Baus bilden Karo sechs und Karo Dame.
Dieses wie aus einer Patience gewonnene,
Skulptur gewordene Machtspiel zwischen Frau und Mann hat Robert Metzkes
geformt, als Korrespondenz zum "Großen Spiel" seines
Vaters. Wie dieser mag auch der Sohn die Komödie. Die farbigen
Terrakotten des 49-jährigen Berliners wirken, als wüssten
sie alles über das Widrige und Groteske der realen Welt, doch
seine Figuren halten das aus. Sie tragen Masken, sie reiten auf struppigen
Eseln statt auf hohen Rössern, sie posieren, kokettieren, antichambrieren,
sie intrigieren und rangeln und sitzen schließlich doch Rücken
an Rücken, wie um sich gegenseitig zu stützen, denn alle,
Mann wie Frau, Alte wie Junge, bekleidet das Harlekinskostüm
- Zeichen des Musischen, aber auch Tragikomischen. Als sollte das
besagen: Es ist das Los des Künstlers zu jeder Zeit.
Galerie Leo. Coppi: Hackesche Höfe,
bis 14. 6., Di-Fr 13-18.30, Sa 12-18 Uhr.
GALERIE LEO. COPPI Robert Metzkes: "Die Hütte", 2003,
Terrakotta, farbig.
Berliner Zeitung 11.03.2003
Ingeborg Ruthe
Erinnerungen eines Hermelins
Nehmzows Collagen und Stötzers Steine in der Berliner Galerie
Leo. Coppi
Es ist der Kontrast, aus dem diese Vorfrühlingsausstellung bei
Leo. Coppi ihre Wirkung bezieht. Die strengen Skulpturen, die bei
Werner Stötzer, dem 71-jährigen Bildhauer, die menschliche
Figur zu Existenzzeichen machen, treffen auf die furiosen Collagen
des 53-jährigen Nehmzow. Diese Arbeiten wirken erzählerisch,
und doch bleiben die Geschichten rätselhaft, diffus. Stötzers
Skulpturen - knieend, stehend, liegend, versunken - scheinen aus dem
Stein ins Licht zu wachsen. Nehmzows "Grenzzeichen", "Zeitreise"
oder "Lebenserinnerungen eines Hermelins" entstehen aus
einer wie zufälligen Begegnung von Alltagsfundstücken, reliefhaft
aufgetragener Farbe, Papier, Leinwand und kalligrafischen Zeichen.
Während der Bildhauer im Oderbruch
bei jedem Wetter am Stein arbeitet, mit entschiedenen, nicht mehr
zu korrigierenden Schlägen von außen nach innen, reist
der Berliner Maler durch Japan. Er lässt sich dort von Farbenspielen
und Schriftexotik inspirieren. Daraufhin findet er in der Collage
offensichtlich das Medium, mit dem er auf seine Stimmungen, Empfindungen,
Erlebnisse frei und fantasievoll reagieren kann. Es gibt nun keine
einheitlichen Bildräume, keine klassischen Perspektiven mehr;
leichte und schwere Formen treffen aufeinander. Die Collage "Vor
einer langen Zeit" etwa zeigt eine japanische Kriegsfahne. Wo
die Sonne gelb strahlen könnte, haftet ein großer, schwarzer,
trauriger Fleck.
Stötzer weiß vom Stein, er habe ein Gesetz, dem der Bildhauer
folgen muss.Nie verleugnet bei ihm eine Figur den Block, in dem sie
noch halb ruht, in den sie sogleich wieder zurücksinken könnte.
Nehmzow ermöglicht die Collage ein Arbeiten ohne Regeln, ein
Agieren aus dem Gefühl, aus der Fülle des Materials heraus.
Entwickelt aber hat sich das Ganze doch aus dem Gegenständlichen,
und das klingt in den Collagen auch an: als Figur, als Gefäß
oder Haus. Hier hebt sich der Kontrast zwischen den Zeitzeichen Stötzers
und den Zeitreisen Nehmzows auf. (ir.)
Galerie Leo. Coppi, Hackesche Höfe,
bis 22.3. Di-Fr 13-18.30/Sa 12-18 Uhr.
KATALOG Olaf Nehmzow: "Düstere Gedanken", 2003, Öl
auf Japanpapier.
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Die Welt
11.01.2003

Herta Günthers Damenwelt in der Galerie Leo.Coppi
Zwischen Selbstbewusstsein und Melancholie
von Veit Stiller
Damen dominieren die Bilderwelt von Herta Günther. Überzeugen
kann man sich davon derzeit in der Galerie Leo.Coppi. Die Damen und
die Szenerien, in denen sie sich bewegen, sind meist schrill und melancholisch
zugleich. Cafés und Straßen, die bevorzugten Handlungsräume,
lassen Trubel ahnen und künden doch von der Einsamkeit der Akteurinnen
im großen Getriebe.
Durch den mächtigen Aufwand an Farbe fürs Gesicht und dekorativen
Accessoires fürs Drumherum dokumentieren die Damen Kraft und
Selbstbewusstsein, offenbaren jedoch um so deutlicher auch eine tief
gründende, existenzielle Unsicherheit und von da her eine große
Verletzlichkeit. So manches innere Problem scheint wenig bewältigt.
Und das bringt sie uns so nah.
Der Eindruck entsteht, als ob Herta Günther, 1934 in Dresden
geboren, dort in den 1950er Jahren an der Kunstakademie ausgebildet
und seit 1957 ebenda freischaffend, das Flair und den Geist der so
genannten Goldenen Zwanziger im Trubel und Gewusel unserer Zeit entdeckt
und festgehalten hat. Ein spannendes Ensemble von Splittern eines
magischen Spiegels, der wie im Märchen Einbildung zu Wahrhaftigkeit
verkehrt.
Wie würden derartige Beobachtungen im maskulinen Teil der Spezies
aussehen? Vielleicht stellt Herta Günther sich diese Frage demnächt.
Das wäre sehr spannend. Die Ausstellung zeigt vorwiegend Pastelle
und daneben einige überarbeitete Druckblätter. Die Preise
liegen zwischen 1100 und 3300 Euro.
Rosenthaler Straße 40/41, Hackesche Höfe, Mitte; bis 25.
Januar; Di–Fr 13–18.30 Uhr, Sa 12–18 Uhr.
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